Android-Updates: Google stellt Geduld der Hersteller auf die Probe

Google hat mit Android ein sehr erfolgreiches Produkt für Smartphones auf den Markt gebracht und in wenigen Jahren damit einen großen Marktanteil eingefahren. Einer der Gründe für den Erfolg ist die Strategie von Google Android als Open Source anzubieten. Jeder kann sich den Quellcode herunterladen und ihn auf sein Handy bugsieren. Der Ansatz von Google ist sympathisch, sorgt aber auch für Probleme.

Kunden von Sony Ericsson wurden in den letzten Wochen von der Ansage überrascht, dass der Hersteller keine weiteren Google Android Updates mehr für die gerade im letzten Jahr vorgestellte Xperia X10 Handys vorstellen würde. Die Handys würden auf der Version 2.2 stehen bleiben. Das ist aus zwei Gründen ärgerlich. Zum einen bedeutet dies für die Kunden, dass sie von weiteren Sicherheitsupdates ausgeschlossen werden, zum anderen werden sie auch den neuen Möglichkeiten abgeschnitten, die eine Android Version mitbringt. Auf Dauer bedeutet dies auch, dass manche Applikationen nicht mehr laufen können. Ärgerlich, wenn man ein paar hundert Euro für ein Smartphone ausgegeben hat.

Beschwerden der Kunden

Aber Sony Ericsson ist nicht die einzige Firma, die Android-Updates gar nicht oder nur schleppend weiter geben. Motorola lässt sich vor allem in Europa viel Zeit mit den Updates. Besitzer des ersten Motorola Milestone bekamen erst in den letzten Wochen das Update auf Android 2.2. Auch bei Samsung und HTC gibt es Beschwerden der Kunden.

Die Hersteller passen das User Interface und andere Dinge im Betriebssystem auf ihre Wünsche an. Diese Änderungen müssen dann bei jedem Update von Android erneut angepasst werden. So etwas kostet Geld und Zeit, und diese Kosten scheuen viele Hersteller. Dazu kommen Anpassungen durch die Provider, die teilweise tief ins Betriebssystem eingreifen. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Tethering, das manche Provider abklemmen, was dann bei einem Update berücksichtig werden muss.

Flickenteppich von Versionsnummern

Android 2.2 läuft im Moment auf 61,3 Prozent aller Handys, aber die alte 2.1 Version befindet sich immerhin noch auf rund 29 Prozent der Telefone mit Android. Die neue 2.3 Version, die immerhin seit Dezember auf dem Markt ist, hat den Weg bisher nur auf 1,7 Prozent der Telefone gefunden. Dagegen hat die steinalte 1.5 Version noch einen Marktanteil von 3 Prozent. Für all diese Versionen, inklusive der neuen, noch nicht für Handys freigegebenen 3.0-Version, müssen die Entwickler ihre Applikationen programmieren. Das ist mehr oder weniger ein Albtraum und bindet bei den Entwicklern Zeit und Ressourcen.

Offenbar scheint Google nun gegen diesen Probleme entgegen zu steuern. Bei der neuen Android 3.0-Version ist der Sourcecode noch nicht freigegeben, was zu Gerüchten geführt hat, dass Google ab der 3.0-Version Hersteller und Provider dazu zwingen möchte, schneller auf die neuen Versionen umzusteigen. Ohne den Quellcode ist es den Herstellern nicht möglich, die Bedienoberfläche anzupassen. Ohne die Veränderungen lassen sich Updates dann schneller auf die Geräte transportieren. Die Rede ist davon, dass die Hersteller “Nicht-Fragmentierungs-Klauseln” unterschreiben müssen, die sie dazu zwingen, ihre Smartphones möglichst auf dem neuesten Stand zu halten. Das wiederum hat bei den Herstellern für Ärger gesorgt, denn die versuchen sich mit den Anpassungen an der Benutzeroberfläche von der Konkurrenz abzuheben. Ohne diese Veränderungen würde ein wichtiges Kaufargument wegfallen, so ihre Befürchtung.

Zwischenlösung

Andy Rubin, Android-Chefentwickler bei Google, versucht in einem Blogeintrag die Wogen zu glätten. Android werde weiter offen bleiben, man würde nicht die “one size fits all” Strategie von Microsoft und Apple übernehmen wollen. Dass der Sourcecode von Android 3.0 noch nicht offen sei, läge nur daran, dass er einfach noch nicht fertig ist. Die Aussage ist erstaunlich, läuft 3.0 doch schon auf einigen 100.000 Geräten wie dem Motorola Xoom.

Vermutlich versucht Google eine Zwischenlösung. Der Quellcode bleibt bei einer neuen Version so lange unveröffentlicht, bis die “Kinderkrankheiten” abgestellt sind. Hat man die Sicherheitslöcher und andere Bugs gefunden und schiebt nur noch kleinere Updates nach, wird der Code frei gegeben. So hofft man, die Hersteller und Provider dazu überreden zu können, dass sie neue Versionen schneller auf die Endgeräte bringen. Via Enterprise Efficiency.