"1944": Apple erklärt IBM in lang verschollenem Neunminüter den Krieg

Den Apple-Spot “1984” kennt jeder. Apple rief damit zum Protest gegen das System IBM auf und rief die Revolution aus. Aber kennen Sie schon “1944”, einen neunminütigen aufwändig gedrehten Kriegsfilm mit lauter tapferen Apple-Soldaten, die für ihren Präsidenten, gespielt von Steve Jobs höchstpersönlich, in die Schlacht ziehen? Hey Samsung, hier kannst Du noch was über aggressive Frontalwerbung lernen.

Worum es in “1944” geht, wird nach den ersten Sekunden klar. Der Spot beginnt mit den Worten: “Am 24. Januar 1984 führte Apple den Macintosh ein. Und wir sahen, warum 1984 wie 1944 war.” Kurzum: Es herrscht Krieg. Und Apple greift IBM an. Diese ersten Worte sind angelehnt an den legendären “1984”-Spot, in dem es heißt: “Am 24. Januar 1984 führte Apple den Macintosh ein. Und Sie werden sehen, warum 1984 nicht wie 1984 ist.”

Es sind Aufnahmen, die selbst hartgesottene Apple-Fans erst einmal sprachlos zurücklassen. 1984 drehte der Konzern aus Cupertino auf eigene Faust den Kurzfilm. Die Handlung in einem Satz erklärt: Apple zieht in die Schlacht gegen IBM. Anführer der Truppen ist natürlich Steve Jobs, geschminkt und ausgestattet mit Requisiten, um US-Präsident Franklin D. Roosevelt zum Verblüffen ähnlich zu sehen.

“1944”, NetworkWorld veröffentlichte den Clip, war nicht für Werbezwecke gedacht, sondern sollte das hauseigene Sales-Team zu neuen Höchstleistungen antreiben. Und ein klares Feindbild aufbauen: IBM, die damalige Größe am PC-Markt, galt es zu schlagen. Laut NetworkWorld lagen die Produktionskosten bei rund 50.000 Dollar. Dafür bekam der Zuschauer allerdings einen aufwändig produzierten Streifen im Look alter Schwarz-Weiß-Kriegsfilme.

So planen die Apple-Soldaten ihren Angriff gegen IBM, den Tyrann, der unschuldige User zu willenlosen Zombies mutieren lasse. Apple müsse sie retten, mit einer neuen Vision des Büros der Zukunft, dem “Macintosh-Büro”. Ein Colonel verspricht vor der Schlacht: “Wir bekämpfen sie im Büro. Wir bekämpfen sie in den Klassenzimmern. Und auf den Schreibtischen.” Dazu hätte man eine ausgeklügelte Waffe entwickelt: Hardware. Die Munition wäre ebenso mächtig: die Software.

Der Clip sollte das Gemeinschaftsgefühl der Sales-“Truppe” stärken. “Die sind der Elefant”, heißt es da. “Aber wir sind die Maus.” Als wär das nicht noch zu toppen, lässt sich der fiktive Colonel sogar zu einem “One more thing” hinreißen: “Lasst uns nicht die Siege der Vergangenheit vergessen: den ersten Weltkrieg, den zweiten Weltkrieg, II Plus, IIe und IIc.”

Gemischt mit Aufnahmen auf dem Zweiten Weltkrieg inszeniert Apple den Angriff auf die “Blue Busters” vom IBM. Als wäre das noch nicht genug Meta-Ebene, hat sogar die Hammerwerferin aus dem “1984”-Spot einen Gastauftritt.

Ausfindig machte den Streifen Craig Elliott, der damals zum Team von Apple gehörte. Aus heutiger Sicht mögen einige Vergleiche zu früheren Kriegen recht derbe wirken. Doch letzten Endes ist es ein Zeitdokument aus einer Ära, in der der Erfinder von iPhone und iPad noch eine kleine Nummer im weltweiten Computermarkt war. Der Streifen bietet noch so viel mehr Anleihen an die Apple-Welt, die wir hier nicht alle aufdecken wollen.

Wir können nur jedem Apple-Fan empfehlen, sich “1944” zu Gemüte zu führen. Um etwas über ein Unternehmen zu lernen, das den unbedingten Willen zur Marktführerschaft hatte. Nun, 28 Jahre später, ist Apple der wertvollste Konzern der Welt.

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